Dr. Friedel Schneider
Ausbau 1
15518 Steinhöfel OT Beerfelde

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Die archaische Welt am Omo-Fluss in Äthiopien

Zweimal gelingt es ihnen, bis in die südwestlichste Ecke Äthiopiens vorzudringen, in die sagenhafte Wildnis am Unterlauf des Omo-Flusses. Diese Region ist mit seiner Vielzahl verschiedenster, oft kleiner Völker (mehr als 40) einmalig in der Welt. Sie zählen zu den faszinierendsten ganz Afrikas. Die meisten führen auch heute noch ein für uns unvorstellbares archaisches Leben, sind tief in ihren Traditionen und Riten verwurzelt, dem Kreislauf der Natur noch eng verbunden. So verschieden die Stämme, so unterschiedlich ihre Lebensformen. Kaum, so die offizielle Meinung, gibt es noch einen Flecken auf der Erde, in der die Menschen so weit in der Vergangenheit leben.

Schneiders gelingt es, in die z. T. zu Schutzgebieten erklärte Wildnis am Omo vorzudringen. Sie lernen die Mursi-Frauen mit ihren bis zu 20 cm großen Lippentellern und Ohrpflöcken kennen. Weit über das Kaffaland, dem Ursprungsgebiet des Kaffeeanbaues, hinaus, bis in die unzugängliche Grenzregion Kibish am westlichen Omo-Ufer wagen sie sich. Dort erleben sie bei den Surma die rituellen, nicht ungefährlichen, manchmal sogar tödlichen Stockkämpfe der nackten Männer verschiedener Stämme, beeindruckt sie das Anzapfen ihrer Rinder und das Trinken des Blutes, das für sie ein wichtiger Bestandteil der Nahrung ist. In einem tief verwurzelten Ritual lassen sich die provozierenden, stolzen Hamer-Frauen von den Männern öffentlich mit Gerten hart schlagen, und jeder Hamer-Mann muss für seine Initialisierung und Mannbarkeit in einer öffentlichen Zeremonie das "Bullenspringen" bewältigen. Schneiders schaffen es bis zu den abgeschiedenen, hoch in der Bergwelt lebenden Konso. Sie besuchen ihre Wehrdörfer und sind beeindruckt von den geschickt angelegten Terrassenfeldern. Sie erhalten Einblick in ihre Sitten und verweilen beim König in seinem traditionellen Kral. Ihre Verstorbenen bewahren sie direkt in ihrer bzw. einer daneben stehenden Hütte oft über Jahre auf, um diese über den Tod hinaus zu ehren, sich mit ihnen zu beraten und zusammen sein. Sie sind das Volk mit auch heute noch z.T. sehr kriegerischen Sitten und dem Phalluskult verhaftet, welcher im Alltagsleben lebendig ist. In ihrem Glauben hat der natürliche Kreislauf von Leben und Tod eine grundlegende Bedeutung, bestimmt ihre Kultur. Dabei ist der Phallus ein entscheidendes Symbol für die Erneuerung des Lebens, für das Ansehen des Mannes und die Zeugung der Nachkommen, gleichermaßen ein Beweis der Stärke des Mannes bei der Tötung von großen Tieren und, bis in die früheste Vergangenheit gepflegt, bei der Tötung von Feinden. Symbolhaft wird der diesem Feind abgeschnittene Phallus als Stirnschmuck getragen oder als Schmuckelement an den Häusern dargestellt und am Grab des verstorbenen Helden u.a. durch Figuren der Getöteten (ohne Phallus) dokumentiert. Schneider darf als Vertrauensbeweis die Grabstätten des Vaters und Großvaters des Königs besuchen und ihre holzgeschnitzten Darstellungen (mit dem Phallussymbol eines getöteten Feindes auf der Stirn) fotografieren. Die ebenso abgeschieden lebenden Borena faszinieren sie mit ihren einzigartigen "singenden Brunnen" und der Salzgewinnung aus Kraterseen in einer zutiefst archaischen Weise.

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